Dr. Lutz-Ulrich Besser
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder und Jugendpsychiater, Facharzt für psychotherapeutische Medi-zin, Leiter und Lehrtherapeut des ZPTN - Zentrum für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen, Tie-fenpsychologisch/analytische- und KIP-Ausbildung, Systemische Familientherapie, Körpertherapie, Trainer für EMDR mit Kindern und Jugendlichen
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Hirnphysiologische Forschungsergebnisse bei unkontrolliertem Medienkonsum im Kleinkindalter
Moderne Medien - Fernsehen, Video, CD, DVD, Home-Cinema, Computer, Internet, Playstation/ Spielekonsolen, Gameboy, Multimedia-Handys, HiFi-Anlagen, portable Tonträger wie "walk-man" und "MP3-Player" - nehmen immer mehr Raum und Zeit ein. Die Bildschirme in den Wohn- und Kinderzimmern werden immer größer, die Musik immer lauter.
Die pausenlosen Bilder/Filme, Töne, Geräusche und Musik sind in ihrer Abfolge meist zu schnell, zu fragmentiert, zu laut und zu gewalttätig, um von Gehirnen, besonders von jungen Menschen, ungeschadet verarbeitet werden zu kön-nen. Medien sind schleichend zu den neuen "Erziehern" des 21. Jahrhunderts geworden bzw. gezielt dazu gemacht worden. Sie beeinflussen in Abhängigkeit von Konsumdauer, Intensität, Form und Inhalt die Entwicklung kognitiver, emotionaler, körperlicher und psychosozialer Kompetenzen, also auch konkretes Verhalten von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen.
"Brainwash"
Die Neurowissenschaften konnten in den letzten Jahren nachweisen, dass sich unsere Gehirne in Abhängigkeit von ihren Nutzungsbedingungen strukturieren (Neuroplastizität des Gehirns). Entsprechend dieser beeindruckenden struk-turbildenden Lernfähigkeit menschlicher Gehirne entwickelt sich unsere Persönlichkeit seit frühester Kindheit aus der Summe unserer positiven und negativen sensorischen Eindrücke und emotionalen und psychosozialen Erfahrungen.
Gehirnentwicklung im Sog der Medien
Es ist die geistige, emotionale und psychosoziale Nahrung, die das Gehirn und die Persönlichkeit des Einzelnen und damit auch die Gesellschaft formen und prägen.
Wir sind alle verantwortlich, welche emotionale und geistige Nahrung besonders die Gehirne unserer Kinder zu "ver-dauen" haben und dies längst nicht mehr schadlos schaffen.
Spaßgesellschaft, ständiger passivisierender Medienkonsum, Überforderung durch Reizüberflutung, Verwöhnung und emotionale Vernachlässigung sowie das Fehlen positiver und konstruktiver Vorbilder führen bei Kindern und Jugendli-chen zu fehlender Entwicklung oder Verlust von Motivation, eigener Kreativität, Interesse an Bildung, Bewegung, Selbstwirksamkeit, Werten und Normen und mündet in Resignation.
Eltern, Lehrer, Pädagogen, Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten, Juristen, Politiker, Produzenten und Filme-macher und die FSK sind für den Schutz der Gehirne und der Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen und deren Zukunft verantwortlich.
Der Vortrag richtet sich an all diese Berufsgruppen und an Menschen, die sich für diese brisante unsere Zukunft mit-bestimmende aber überraschend kontrovers diskutierte Thematik interessieren und Verantwortung für die Gestaltung einer "gewaltfreien Zone" und eines "Naturschutzgebiet für die geistige und seelische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen" übernehmen wollen.
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