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Fachkongress 10/2003

Beziehungshungrig und grenzenlos -
Sexuell aggressive Jungen zwischen Hilfe und Sanktion

München: 9. - 10. Oktober 2003


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Zu den Personen:
Abstract:
Ina-Maria Philipps

Jg. 1953, ursprünglich Gymn.lehrerin, Zusatzausbildung als Ehe- und Lebensberaterin und Sexualtherapeutin. Dazu an der Ev. Beratungsstelle in Düsseldorf und in eigener Praxis tätig. Seit 1989 Dozentin am Institut für Sexualpädagogik (ISP) mit den Schwerpunkten: frühkindliche Sexualität, weibliche Sexualität, Konzeptionsentwicklung. Seit 2000 Lehrauftrag an der FHS Luzern/CH

Vortrag: Beiderseits der Grenze. Das Aggressive in der Sexualität

Vor dem Hintergrund von zwei bzw. drei Jahrzehnten des gesellschaftlichen Diskurses über sexuellen Missbrauch und Gewalt als konstitutivem Bestandteil des Geschlechterverhältnisses werden heute v.a. die bedrohlichen und entwürdigenden Aspekte von Aggression in sexuellen Kontexten thematisiert. Aggression wird einseitig aus einer Perspektive des Opfers betrachtet und in die Ecke des Dunklen und tendenziell zu Unterdrückenden abgedrängt, während akzeptanzfähige Formen von Aggression - wie direkt auf etwas zugehen, zupacken - ausgeblendet werden. Aggression wird so potenziell abgespalten und tritt an anderer Stelle, wie etwa in der S/M-Szene, wieder zutage.

Möglicherweise fehlen aber der Sexualität wesentliche Elemente, wenn Impulse von Heftigkeit, Unkalkulierbarkeit und Grenzerfahrung ausgeklammert werden. Die Zunahme von Lustlosigkeit, wie sie derzeit von Sexualwissenschaftlern in heterosexuellen Milieus festgestellt wird, könnte darauf zurückzuführen sein. Der Verlust an Leidenschaftlichkeit wäre dann - so die These von Gunter Schmidt - ein Preis der sog. Pazifizierung des Geschlechterverhältnisses.

Sind unsere Bilder von friedfertiger, sanfter weiblicher Sexualität und von triebhafter, grenzüberschreitender männlicher Sexualität heute noch zutreffend - oder verläuft die Grenze derzeit eher zwischen pazifizierten Männern und Frauen auf der einen und den die sexuelle Aggression nicht scheuenden Männern und Frauen auf der anderen Seite? Und: Gibt es möglicherweise mehr Spielräume außerhalb des heterosexuellen Mainstreams?

Dr. Karlheinz Valtl

Dr. Karlheinz Valtl, Jg. 1953, Dr. phil. (Psychologie und Pädagogik), Universitätsdozent (U Wien, FH Luzern), Ausbilder am Institut für Sexualpädagogik (ISP). Arbeitsschwerpunkte: Theorie der Sexualerziehung, Biografie-Arbeit, Sexualität und Religion, Sinne/Sinnlichkeit. Mitarbeit an mehreren Forschungsprojekten und zahlreiche Veröffentlichungen zu Sexualpädagogik und berufliche Bildung