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Fachkongress 9/2005

Kinder und Jugendliche mit sexuell grenzverletzendem Verhalten
Prävention, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten

22. - 23. September 2005 in Kiel


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Zur Person:
Kolloquium:
Kirstin Dawin

Diplom-Psychologin und systemische Familientherapeutin. Seit 1999 am Kinderschutz-Zentrum München, ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Gruppentherapie mit sexuell übergriffigen Jugendlichen in Kooperation mit Jugendhilfe und Justiz, Mitarbeit in der Expertengruppe des Bundesmodellprojektes zum Thema "Professioneller Umgang mit sexuell aggressiven jungen Tätern"

"...das ist eben so passiert ...!" - Gruppentherapeutische Arbeit mit sexuell devianten Jugendlichen

In der Arbeit mit sexuell übergriffigen Jungen bietet die gruppentherapeutische Arbeit einige Vorteile: Jugendliche, die normalerweise Schweigen als Durchhalte- oder Ausweich-Strategie wählen, werden aufgrund der Dynamik innerhalb der Gruppe leichter zur aktiven Mitarbeit ermutigt. Mit Unterstützung der Gruppenleitung erkennen und entlarven die Jugendlichen gegenseitig ihre Verleugnungsstrategien, ihre Ausweichmanöver und andere Schutzmechanismen und wir können diese im geschützten Setting der Gruppe konfrontieren. Die Jugendlichen zeigen fast immer große Schwächen in ihrer sozialen und emotionalen Kompetenz - auch in dieser Hinsicht ist eine Gruppe mit ihren Möglichkeiten zum sozialen Lernen sehr hilfreich.
Die Verantwortungsübernahme der Jugendlichen für ihre Tat und eine Einfühlung in die Opfer sind zentrale Ziele unserer Arbeit, denn nur dadurch kann ein längerfristig wirksamer Schutz für weitere potentielle Opfer erreicht werden. Doch erst durch einen längerfristigen Therapieprozess, in dessen Verlauf die Jugendlichen den "Deliktkreislauf" mit allen Gedanken und Gefühlen schildern und die Gruppe dazu Stellung bezieht, wird ermöglicht, dass die Jugendlichen ihr eigenes Handeln begreifen lernen und somit ihre Verantwortung übernehmen.
Unsere Erfahrung zeigt, dass die Jugendlichen neben dem Verstehen ihrer Lebenssituation genau so sehr verbindliche Strukturen brauchen - z.B. durch eine Beratungsauflage der Justiz oder einen Therapievertrag - um sich auf einen längerfristigen Therapieprozess überhaupt einlassen zu können. Es geht in der Arbeit mit ihnen also um eine hilfreiche Verbindung von Kontrolle einerseits und Unterstützung andererseits.