Vortrag: Vernachlässigung von Kindern mit einer Behinderung
Vernachlässigung von Kindern wird nur selten als ein eigenständiger Tatbestand diskutiert. Auch bei Kindem mit einer Behinderung ist von Vernachlässigung meist nur in Zusammenhang mit Misshandlung und sexuellem Missbrauch die Rede. Auch wenn vermutet werden darf, dass Kinder mit einer Behinderung häufiger vernachlässigt werden als nicht behinderte Kinder, fehlen doch genaue Zahlenangaben. Die Themen Gewalt und Sexualität faszinieren eben die gesellschaftliche Kommunikation.
Vernachlässigung lässt sich als ungenügende Thematisierung auf verschiedenen Ebenen verstehen. So sind die Bedürfnisse des Kindes für seine vernachlässigenden Eltern nicht ausreichend motivierend. Es wird nur ein prekäres Selbstkonzept ausbilden können. Auch die Eltern werden in der Regel als in ihrem sozialen Netzwerk isoliert, in ihrem sozioökonomischen Status benachteiligt und daher auch in ihrem Selbstwert eingeschränkt beschrieben.
Die Behinderung eines Kindes ist ein Risikofaktor für mangelhafte kommuniikative Resonanz. Ohne zureichendes Vertrauen in die Antwortbereitschaft ihrer sozialen Umwelt und in Ermangelung kompensativer Ressourcen ist manchen Familien der Versuch einer Selbstthematisierung zu riskant. Ein entwicklungsfördernder Umgang mit der Behinderung des Kindes wird dann in besonderer Weise blockiert, wenn die Familie gerade in dessen Behinderung den Grund für ihre geringe soziale Resonanz ausmacht.
Eine solche Analyse des Tatbestandes "Vernachlässigung" ermöglicht Handlungsanweisungen für präventive und therapeutische Interventionen auf allen Ebenen, angefangen von der individuellen Ebene über die Ebene der Familie und ihrer sozialen Umgebung bis hin zur Ebene Sozialpolitik und des Kinderschutzes.