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Fachkongress 12/2002

Gewalt gegen behinderte Kinder
-ein vernachlässigtes Thema im Kinderschutz?

Stuttgart 4. - 6. Dezember 2002


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Zur Person:
Abstract:
Prof. Dr. Hellgard Rauh

Universität Potsdam

Vortrag: Bindungsqualität bei Kindern mit Down-Syndrom - eine Entwicklungsressource?

Welche Bedeutung spielt die Bindungsqualität bei geistig behinderten Kindern? Zeigen diese Kinder ein anderes emotionales Verhalten als normgerecht sich entwickelnde Kinder?

Beobachtungen und Analysen aus der Berliner Längsschnittstudie bei Kindern mit Down-Syndrom legen nahe, dass Bindungsqualität auch bei diesen Kindern verlässlich erhoben werden kann. Sie reagieren weitgehend ähnlich wie nicht-behinderte Kinder auf Trennung und Wiedervereinigung, wenn auch meist etwas verhaltener. Bindungsqualität erwies sich auch als ein länger überdauerndes Merkmal der Mutter-Kind-Beziehung. Noch Monate nach der "Fremden Situation" unterschieden sich sicher gebundene von unsicher gebundenen Mutter-Kind-Dyaden in Spielsituationen in charakteristischer Weise. Im Vergleich mit nicht-behinderten Kindern waren bei ihnen die bindungsspezifischen Unterschiede sogar eher noch etwas deutlicher, und zwar sowohl im mütterlichen wie im kindlichen Verhalten.

Zumindest in den ersten zwei bis drei Lebensjahren zeigte sich keine Beziehung zwischen der Bindungsqualität und dem Entwicklungstempo der Kinder: sich relativ rascher entwickelnde Kinder entlockten ihren Müttern nicht notwendigerweise sensitiveres Verhalten als Basis für eine sichere Bindung, noch "bewirkte" sichere Bindung und sensitives mütterliches Interaktionsverhalten eine raschere Entwicklung. Sicher gebundene Kinder mit DS waren aber emotional ausgeglichener, sozial aufgeschlossener, angenehmer im Umgang und überwanden besser die "Trotz-Phase" des Übergangs zum symbolisierenden Denken und der sprachvermittelten Kommunikation. Ihre Eltern waren stabilere Teilnehmer am Projekt.

Frühe Förderung elterlicher Sensitivität kann sowohl für die Kinder wie für die Eltern eine wichtige Ressource zur Meisterung der kleinen und großen Schwierigkeiten im Entwicklungsprozess werden.