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Perspektiven edv-gestützter Systeme und des Internet in der Jugendhilfe Stefan Löwenhaupt
Der folgende Beitrag geht zunächst den Fragen nach in welchen Einsatzbereichen aktuell bereits EDV in der Jugendhilfe zum Einsatz kommt, welche Nutzungsintensitäten es in den einzelnen Einsatzfeldern gibt und welche Restriktionen für die Implementation edv-gestützter Systeme in der Jugendhilfe existieren. Im zweiten Teil beschäftigt sich der Beitrag dann mit möglichen Entwicklungslinien edv-gestützter Systeme in der Jugendhilfe. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen der Integration/Vernetzung von fachlichen Aufgaben/Daten, Trägern, der intensiveren Nutzung interaktiver Systeme an der Schnittstelle "professionelle Akteure - Nutzer/Klient" sowie dem Blick in eine mögliche Zukunft komplexer virtueller Einrichtungen und Angebote.
1. Einsatzbereiche von edv-gestützten Systeme in der Jugendhilfe
Eine landläufig geäußerte Meinung zum Bereich der Jugendhilfe unterstellt, dass hier die EDV nur sehr langsam Einzug halte. Diese Meinung ist richtig und falsch zugleich: falsch, weil es zum einen eine immer größere Zahl junger Menschen gibt, die bestens mit PC's, Software-Angeboten, dem Internet etc. vertraut sind; d.h. über die Klientel hat die EDV längst Einzug in den Bereich der Jugendhilfe gefunden. Wer ein Jugendzentrum ohne PC-Kabinett, Internetanschluss und eigenen Webauftritt betreibt, braucht schon gute Argumente, wenn er dem Legitimationsdruck standhalten will.
Falsch ist diese Meinung allerdings auch noch aus einem zweiten Grund: in den administrativen Bereichen der Jugendhilfe, d.h. in der Verwaltung von Jugendhilfe bei öffentlichen und freien Trägern ist der EDV-Einsatz ebenfalls schon lange üblich. Die Nutzung der EDV findet hier allerdings statt, ohne dass spezifische (sozial-) pädagogische Inhalte Gegenstand wären. Vielmehr ging es hier in der Vergangenheit vor allem um klassische Fragen der Verwaltung von Stammdaten, der Systematisierung und automatisierten Erstellung von Dokumenten, Bescheiden sowie der Dokumentation einzelner Fallverläufe auf sehr einfachem Niveau. Letztlich haben sich zahlreiche in diesem Bereich zum Einsatz kommende Software-Lösungen zumindest in der Anfangsphase nur graduell von Softwareanwendungen im gewerblichen Bereich unterschieden. Vielmehr wurden häufig einfach bestehende Plattformen von Buchhaltungssystemen redaktionell an die Bedarfe der wirtschaftlichen Jugendhilfe angepasst.
Die oben zitierte Meinung ist allerdings insofern richtig, als ein Grossteil der Mitarbeiter in der Jugendhilfe, die im pädagogischen Bereich tätig sind, sich nur sehr zögerlich mit der neuen Technologie anfreunden konnte, so dass lange Zeit verstärkt die Risiken z.B. von Computerspielen


oder die vermuteten Gefahren einer zunehmenden Isolation von Jugendlichen, die ihr gesamtes Freizeitverhalten auf die Nutzung des PC's verwenden, diskutiert wurden. Auch heute noch gibt es deshalb viele Bereiche der Jugendhilfe, in denen sich edv-gestützte Systeme nur in geringem Umfang durchgesetzt haben.
Dies gilt insbesondere für den gesamten Bereich des fachlichen Controllings und der Hilfeplanung. D.h. vielfach bleiben die fachlichen Kernprozesse der Jugendhilfe einer edv-gestützten Bearbeitung noch verschlossen.
Im Rahmen eines Modellprojektes zur Evaluation von Softwareprogrammen in der Jugendhilfe in einem ostdeutschen Bundesland, ergab die Analyse (Literatursichtung, Befragung von bundesweiten Anbietern von Softwareprogrammen für die Jugendhilfe, sowie Erhebung von im Einsatzbefindlichen Softwarelösungen in Jugendämtern) z.B. folgendes Ergebnis im Hinblick auf die Nutzungsintensität edv-gestützter Systeme in der Jugendhilfe:

Die Anzahl der ausgewiesenen Kreuze gibt die Intensität der Nutzung edv-gestützter Systeme in den einzelnen Bereichen an. Dabei wurde zunächst zwischen der Nutzer?/Klientenseite sowie der Seite der professionellen Akteure - differenziert nach öffentlichen und freien Trägern - unterschieden. Ein Blick auf die Nutzer?/Klientenseite zeigt zunächst, dass sich hier die Nutzung vor allem auf die Bereiche Kommunikation und Information beschränkt. D.h. Kinder und Jugendliche können sich heute z.B. auf vielfältige Weise per Internet über Angebote von öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe informieren (z.B. Öffnungszeiten, Ansprechpartner, einzelne Angebote von Jugendzentren, online-Beratung), sich an offenen oder geschlossenen Chats, mit und ohne fachliche Begleitung durch geschultes pädagogisches Personal bzw. Experten für einzelne Themenfelder zu beteiligen oder per e-mail Kontakte zu Anbietern aufzubauen sowie (z.T. sogar kostenlos) eigene e-mail Adressen oder gar Websites zu verwalten. Auf der einen Seite steigt damit die Anzahl der "Kanäle" auf denen Jugendliche von professionellen Akteuren der Jugendhilfe angesprochen werden können. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der Möglichkeiten, wie Jugendliche selbst zu den Anbietern von Jugendhilfe Kontakte aufnehmen können. Zugleich nutzen Jugendliche auch für ihre Kommunikation untereinander die Möglichkeiten der EDV, so dass sich ein Teil der Jugendkultur selbst im Internet abspielt und zumindest von den professionellen Akteuren beobachtet werden sollte.
Auf Seiten der professionellen Akteure dominieren neben dem Bereich der wirtschaftlichen Jugendhilfe, der traditionell frühzeitig edv-gestützte Systeme eingesetzt hat, spiegelbildlich zu den Jugendlichen die Bereiche Kommunikation und Information. Hier hat in den letzten Jahren eine umfassende Entwicklung eingesetzt, in deren Ergebnis heute ein Großteil der Einrichtungen und Träger zumindest über einen Email-Anschluss, viele sogar über einen eigenen Internetauftritt verfügen. Auf Seiten der öffentlichen Träger noch relativ weit entwickelt ist der Bereich Jugendhilfeplanung, der sich aufgrund der hier verarbeiteten Daten ähnlich gut für den Einsatz von EDV eignet wie die wirtschaftliche Jugendhilfe.
Bisher in den Anfängen stecken noch Versuche Beratung, Qualitätsmanagement und Hilfeplanung/fachliches Controlling edv-gestützt zu betreiben, wobei gerade der zuletzt genannte Bereich in den letzten zwei Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Nicht zuletzt deshalb, weil man sich über eine Integration von Hilfeplanung und zeitlichem sowie fachlichem Controlling auch Einspareffekte versprochen hat.
2. Restriktionen für die Implementation edv-gestützter Systeme in der Jugendhilfe
Im Hinblick auf die Frage, weshalb in der Jugendhilfe edv-Anwendungen in einzelnen Bereichen nur sehr zögerlich Einzug gehalten hat, lassen sich fünf Gründe bzw. Diskussionsstränge benennen:
- Datentypen und Verarbeitungsroutinen
- Berufsausbildung/-wahl
- Selbstverständnis der Akteure in der Jugendhilfe im Hinblick auf Professionalität und Fachlichkeit
- Technische Ausstattung der Arbeitsplätze
- Angebot an berufsfeldspezifischen edv-gestützten Informations- und Kommunikationssystemen in der Jugendhilfe

Ad 1: Datentypen und Verarbeitungsroutinen
Jugendhilfe ist in ihrem Kern häufig eine personale Dienstleistung, die erst in der Interaktion mit den Nutzern dieser Dienstleistung und unter dessen Mitwirkung überhaupt zustande kommt. Zudem ist vielfach ein hohes Maß an Vertrauen notwendig, dessen Grundlage nicht selten genug diffuser Natur ist. Die wechselseitigen Einschätzungen von Kompetenzen, Fähigkeiten, Erfolgen/ Misserfolgen zwischen (Sozial-)Pädagoge und Nutzer sind dabei nur bedingt einer Codierung oder Klassifikation in einem numerischen Zeichensystem zugänglich. Darüber hinaus sollen die angestrebten Lösungen für Probleme der Nutzer/Klienten, so das zentrale Qualitätskriterium der Jugendhilfe, sich am Einzelfall und den (Hilfe-) Bedarfen dieses Einzelfalls orientieren.
Qualitätskriterien, die man an eine Software-Lösung anlegen könnte sind demgegenüber die Anzahl der Rechenoperationen, die man innerhalb einer bestimmten Zeitspanne durchführen kann sowie die Anwendung allgemeiner Algorithmen, die eine standarisierte und schnelle Problemlösung ermöglichen. Einzelfall-Lösungen stellen in dieser Logik eher Störgrößen dar.
Ad 2: Berufsausbildung/-wahl
Ein weiterer Aspekt betrifft das Ausbildungssystem für die professionellen Akteure im Arbeitsfeld Jugendhilfe: die Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen. Bis vor wenigen Jahren noch war das Fach Sozialinformatik an den Fachhochschulen noch überhaupt nicht existent (einen Überblick über die Entwicklung des Fachs gibt Wendt 2001: 1- 31). Im Rahmen des Fachhochschulstudiums reduzierte sich die Annäherung an die EDV häufig genug auf einen Kurs für Textverarbeitung. Das Üben mit fachspezifischen Software-Applikationen, so vorhanden, war dann Sache der Praxis und nur etwas für besonders motivierte. Auf diese Weise sind ganze Kohorten von Sozialpädagogen ausgebildet worden, für die der PC das "unbekannte Wesen" war. Die Absenz der Sozialinformatik im sozialpädagogischen Curriculum wurde dabei vielfach vermutlich auch gar nicht als Mangel erlebt; vielmehr ist durch diese Absenz (und damit die Abgrenzung zu technischen Studiengängen), das Studium der Sozialpädagogik aus Sicht der potenziellen Studenten vielfach erst in den engeren Kreis möglicher Studiengänge aufgerückt. D.h. Berufswahl und Berufsausbildung haben im Hinblick auf die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der EDV eine negative Filterwirkung entfaltet.
Inzwischen hat sich gerade bei der Ausbildung an den Fachhochschulen einiges geändert: Nicht nur das PC-Kurse inzwischen (z.T. sogar verpflichtend) zum Standardangebot im Grundstudiums zählen. In einigen Fachhochschulen wurden sogar Professuren für Sozialinformatik (oder ähnlich lautende Professuren) eingerichtet (z.B. Neubrandenburg, Fulda, Bamberg), die sich mit den Anwendungsmöglichkeiten von edv-gestützten Systemen in der Jugendhilfe beschäftigen und die Studenten mit den entsprechenden Grundlagen vertraut machen. Teilweise gibt es sogar einen Schwerpunkt Sozialinformatik, der eine gezielte Profilierung der Studenten in diesem Fach ermöglicht.
Eine solche grundsätzlich neue Orientierung über die Berufsausbildung ist allerdings auch zwingend notwenig, denn wie eine Evaluation eines Projekts mit dem Titel "Online-Platzbörse" in einer bayerischen Großstadt ergab, lassen sich traditionelle Such- und Informationsstrategien von Mitarbeitern nur relativ schwer verändern. Mit der Online-Platzbörse wurden folgende Zielsetzungen verfolgt: über eine über das Internet zugängliche Datenbank sollten Angebot und Nachfrage im Bereich der Hilfen zur Erziehung zur Deckung gebracht werden können. Die Anbieter erhielten eine Plattform, um zum einen ihr eigenes Angebot darzustellen und zum anderen freie Kapazitäten im Internet anzubieten. Die beteiligten Jugendämter (insgesamt 12) sollten umgekehrt die Möglichkeit haben, über spezielle Suchroutinen z.B. einen freien Heimplatz in einer Außenwohngruppe für ein Geschwisterpaar (männliches und weibliches Kind) im Alter von 10 und 12 Jahren, wobei ein Kind Schulbummelei als Problemlage aufweist, das andere schwere Misshandlungen. Davon versprach man sich a) eine engere Kooperation, Koordination und Vernetzung von öffentlichen und freien Trägern, b) Zeitersparnis bei der Informationsgewinnung und c) die Hoffnung, für Mitarbeiter des ASD ein leicht nutzbares Informationssystem aufbauen zu können, das ein Höchstmaß an Verfahrensrationalität herstellt. Die Betriebsgeheimnisse der Anbieter sollten durch einen passwortgeschützten Zugang zu Datenbankinformationen gewahrt bleiben. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung wurden die von der Datenbank automatisch abgespeicherten Informationen des sog. "Login-Scripts" analysiert, die Auskunft darüber gaben, wer wie häufig, mit welcher Intensität die Datenbank genutzt hat.

Die Ergebnisse der Evaluation zeigten:
- Die Online-Platzbörse wurde nur von einem vergleichsweise kleinen Teil der potenziellen Nutzer in Anspruch genommen. Trotz intensiver Bemühungen um eine höhere Akzeptanz haben nur 46,8% der Zugriffsberechtigten das System genutzt.
- Mögen zu Beginn noch technische Unzulänglichkeiten eine höhere Akzeptanz des Systems verhindert haben, spätestens nach einem halben Jahr waren die meisten "Kinderkrankheiten" des Systems behoben. Zudem hatte mehr als die Hälfte aller Nutzungsberechtigten das System noch nie genutzt, so dass diese also gar keine negativen Erfahrungen mit technischen Problemen gesammelt haben können.
- Ein Teil der Zugangsberechtigten hat das System intensiv genutzt. Dies betrifft insbesondere den ASD insgesamt sowie einen Teil der freien Träger in und außerhalb der Großstadt.
Interessanterweise wurden zudem fast ausschließlich Listen abgefragt und nur in den seltensten Fällen gezielte Recherche-Anfragen gestellt. D.h. die Mitarbeiter der Jugendämter und sonstige Nutzer haben sich in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle ganz unspezifische Auflistungen erstellen lassen und dann anschließend vermutlich wieder nach völlig anderen Kriterien eine Auswahl getroffen.

Ad 3: Selbstverständnis der Akteure im Hinblick auf Professionalität und Fachlichkeit
Professionen leben auch von einem gewissen Selbstverständnis im Hinblick auf fachliche Standards und Professionalität. Zum gewachsenen Selbstverständnis der Profession gehörte die intensive Beschäftigung mit der Frage, wie man Kernprozesse der Jugendhilfe in binäre Programmstrukturen übersetzen könnte, allerdings nur in Teilbereichen. Vielmehr war das Selbstverständnis vielfach vor allem von einer tiefen Skepsis gegenüber den Möglichkeiten des Datenmissbrauchs und der Reduzierung des Klienten auf messbare Indikatoren geprägt. Am ehesten fühlten sich noch Mitarbeiter aus der Jugendamtsverwaltungen, Abteilung wirtschaftliche Jugendhilfe dazu berufen, entsprechende Transformationsprozesse zu leisten. Sozialpädagogische Mitarbeiter aus der Jugendarbeit, den Hilfen zur Erziehung oder dem Bereich Kindertagesstätten haben erst in den letzten Jahren begonnen sich an der Entwicklung entsprechender edv-Lösungen zu beteiligen, was die entsprechenden Produkte qualifiziert hat.
Über die Gründe für die anfängliche Zurückhaltung in diesem Bereich kann nur spekuliert werden: neben Desiderata in der Ausbildung ist in diesem Zusammenhang möglicherweise auch von Bedeutung, dass der systematische komparative, vergleichende Blick über viele "Einzel"-Fälle hinweg, sich erst in den letzten Jahren als methodische Variante in der Sozialarbeit durchgesetzt hat. Viel dazu beigetragen haben die Diskussionen um das Konzept der "Neuen Steuerung" sowie die inzwischen nicht mehr ganz so neuen gesetzlichen Grundlagen zur Qualitätsentwicklung in der Jugendhilfe und die Verpflichtung zur Hilfeplanung. Dieser Wandel im Selbstverständnis von Sozialarbeit insgesamt hat auch die Diskussion um die Funktionalität von bestehenden Software-Applikationen stimuliert.
Ad 4: Technische Ausstattung
Es ist noch gar nicht lange her, da stellten Datenverarbeitungssysteme selbst in so manchem Jugendamt noch eine echte Attraktion dar. Inzwischen hat sich die Situation grundlegend gewandelt und der PC ist heute aus fast keiner Einrichtung im Bereich der Jugendhilfe mehr wegzudenken. Mitverantwortlich hierfür war u.a., das a) die Kosten für leistungsfähige PC's überschaubar sind und b) auf der Seite der Hard- und Software rasante Fortschritte möglich waren. So wird heute der gesamte Office-Bereich problemlos und ohne umständliche Großrechenanlagen in den Einrichtungen erledigt: wo früher noch das Formblatt fröhliche Urstände feierte, können Mitarbeiter heute Falldokumentationen, Statistiken, Beratungsinhalte etc. einfach und bequem in übersichtliche Masken eingeben, die dann in zentralen Datenbanken abgespeichert und auch anderen Mitarbeitern zugänglich gemacht werden. Allerdings ist vor allzu großer Euphorie zu warnen: so gab es auch im Jahr 2000, dies ergab unsere Erhebung, noch Jugendämter in denen ganze Abteilungen ohne PC auskommen mussten.
Ad 5: Fehlende Angebote an berufsfeldspezifischen edv-gestützten Informations- und Kommunikationssystemen in der Jugendhilfe
Waren berufsfeldspezifische edv-gestützte Informations- und Kommunikationssysteme in der Jugendhilfe lange Zeit nicht vorhanden waren, so hat sich heute ein breiter Markt mit einer großen Zahl von privaten Anbietern von Softwareprogrammen für die Jugendhilfe (nach Kreidenweis gibt es insgesamt etwa 200 Anbieterfirmen im gesamten Sozialbereich; Kreidenweis 2000: 79) entwickelt, deren Produkte sich allerdings hinsichtlich ihres Leistungsumfangs, ihrer Leistungsfähigkeit, ihres Entwicklungsstandes, ihrer Nutzerfreundlichkeit, ihres Serviceangebots und vor allem auch hinsichtlich ihres Preises deutlich unterscheiden. Das Anbieterspektrum ist zudem bunt und reicht "vom am Feierabend programmierenden Sozialarbeiter bis zum mittelständischen Systemhaus" (Kreidenweis 2001: 80). Zwar beginnen sich inzwischen auch große Software-Konzerne wie SAP, debis etc. für den Sozialbereich zu interessieren, speziell für den Bereich der Jugendhilfe ist bislang jedoch noch kein Engagement eines Großunternehmens erkennbar. Neben privaten Anbietern findet man darüber hinaus noch halbstaatliche bzw. öffentlich geförderte Softwareanbieter, die das Spektrum der Softwareanbieter komplettieren. Die Größe der Anbieter - unabhängig ob privatwirtschaftlich oder öffentlich gefördert - stellt dabei generell aber keinen Hinweis auf besonders hochwertige Produkte dar.
Zudem liegen bislang keine systematischen Erfahrungsberichte über diese Programme vor, so dass kaum gezielte Preis-Leistungs-Vergleiche angestellt werden können und potenzielle Käufer ihre Investitionsentscheidung unter Unsicherheit fällen müssen. Das im Rahmen solcher Investitionsentscheidungen erreichte Rationalitätsniveau in der Jugendhilfe wird zudem durch eine Reihe von Faktoren tendenziell negativ beeinflusst:
- Zunächst ist zu berücksichtigen, dass Investitionsentscheidungen über Softwareprodukte (noch) nicht zu den Standardroutinen der Akteure in der Jugendhilfe gehören. Vielmehr handelt es sich hierbei häufig noch um außeralltägliche Entscheidungen, für die es keinen Erfahrungsschatz gibt. Fehlende Markttransparenz und persönliche Kompetenz werden zumeist durch Nachfragen bei Kollegen kompensiert, die bereits Erfahrungen mit einer bestimmten Software gemacht haben. Der singuläre Erfahrungsbericht wird dann generalisiert und zur Grundlage der Investitionsentscheidung gemacht - wobei häufig unklar bleibt, ob die gelungene oder gescheiterte Einführung einer Software auf die Qualität der Software, den Service des Anbieters oder aber auf die gut bzw. schlecht vorbereitete Implementation der Software in der Organisation zurückzuführen war.
- Die Entscheider über Investitionen haben z.T. selbst noch recht diffuse Vorstellungen über unverzichtbare, wünschenswerte und überflüssige Leistungsmerkmale einer Software - nicht zuletzt deshalb, weil der PC außerhalb der wirtschaftlichen Jugendhilfe nur allmählich als Arbeitsmittel eingeführt wird. D.h. es gibt häufig nur sehr punktuelle Erfahrungen mit dem Medium, die zwangsläufig in einer vagen Präferenzstruktur hinsichtlich des Leistungsumfangs der gewünschten Software münden.
- Darüber hinaus werden Investitionsentscheidungen durch Budgets begrenzt, was häufig dazu führt, dass die Entscheidung für eine Software davon abhängig gemacht wird, welcher Leistungsumfang bei gegebenem Budget zu erhalten ist. Die Entscheidung orientiert sich damit ausschließlich an der Frage, was mit den vorhandenen Mitteln möglich und nicht an der Frage, was tatsächlich nötig ist. Dies kann zu der kuriosen Situation führen, dass eine Kaufentscheidungen gegen eine bedarfsgerechte aber günstige Software gefällt wird; und zwar nur deshalb, weil die (begründete) Befürchtung besteht, dass die nicht verausgabten Mittel am Jahresende verfallen und in den allgemeinen Haushalt eingestellt werden (im Rahmen unserer Untersuchung sind wir z.B. auf ein Amt gestoßen, dass zwar eine komplexe Software angeschafft hat, diese aber bislang nicht implementiert hat).
Das solche Investitionsentscheidungen im Bereich der Jugendhilfe immer noch Optimierungsreserven bieten, ergab eine Evaluationsstudie von xit.forschung.planung.beratung (Untersuchungszeitraum September - Dezember 2000) zu der Frage, welche Software-Anwendungen in Jugendämtern zum Einsatz kommen. Von den 8 an der Befragung teilnehmenden Jugendämtern (eigentlich waren 17 Teilnehmer geplant) wurden insgesamt fünf verschiedene Softwareprogramme genutzt, die mehr oder weniger spezifisch für den Sektor Jugendhilfe entwickelt worden waren. Prosoz, die Software eines Brachenführers, wurde dabei in 4 Jugendämtern eingesetzt, während alle übrigen Softwareprogramme nur in einem einzigen Amt zum Einsatz kamen. Neben diesen Softwareapplikationen, die man im weitesten Sinne als branchennahe Lösungen bezeichnen konnte, wurden in drei Ämtern auch Standardpakete von Microsoft und Lotus - Office 97/2000 und Smartsuite ME - genutzt. In einem weiteren Amt gab es zudem "selbstentwickelte Lösungen". Allerdings ist hier auch eine office-nahe Lösung in Gebrauch. Zusätzlich gab es ein weiteres Amt, in dem zum Erhebungszeitpunkt überhaupt keine PC's im Einsatz waren (das deshalb auch nicht in die Untersuchung einging) und ein weiteres Amt, das zwar eine Komplettlösung des Branchenführers gekauft hatte, diese allerdings nicht implementiert, sondern sich parallel kleine Werkzeuge auf Office-Basis entwickelt hat.
Interessant war im übrigen, dass alle Jugendämter über eine Software für die wirtschaftliche Jugendhilfe verfügten, drei Ämter sogar ausschließlich für diesen Bereich eine edv-Lösung hatten, während in anderen verschiedene Softwarelösungen für mehrere Bereiche existierten. Im Einzelfall kommen dabei bis zu vier verschiedene Softwarelösungen zum Einsatz. Schwerpunktmäßig kommen diese Softwarelösungen dann in den Bereichen Jugendhilfeplanung und Aktenführung zum Einsatz.
Die Ergebnisse deuten insgesamt darauf hin, dass für die meisten Organisationen inzwischen nicht mehr das Fehlen von passgenauen edv-Systemen das zentrale Problemdarstellen, sondern vielmehr, wie sie Wissen darüber erwerben können, welches Software-Angebot für die eigene Organisation die geeignete ist. Denn häufig vergessen Jugendhilfeeinrichtungen im Rahmen von Investitionsentscheidungen, dass die Software allein keine Probleme löst oder Qualität schafft, sondern nur intelligenten Menschen hilft, mehr über ihre Arbeit zu erfahren, Prozesse effizienter zu gestalten und Routinevorgänge zu automatisieren.

3. Perspektiven edv-gestützter Systeme in der Jugendhilfe
Im folgenden soll noch einmal ein Ausblick auf mögliche Entwicklungspfade und Perspektiven edv-gestützter Systeme in der Jugendhilfe gewagt werden.
3.1 Integration/Vernetzung von fachlichen Aufgaben, Daten, Trägern
Ein erster Entwicklungspfad dürfte in der Integration bzw. Vernetzung von Fachaufgaben, Datenbeständen und Trägern bestehen.

Mit der Integration von Aufgaben und Daten würde ein zentraler Mangel bisheriger Systeme aufgehoben: die isolierte Problembearbeitung. Dies hat in der Vergangenheit häufig dazu geführt, dass Daten in verschiedenen Datenbanken erfasst wurden, die z.T. untereinander nicht kompatibel waren, so dass etwa Stammdaten von Klienten mehrfach erfasst werden mussten. Hier knüpfen neuere und komplexere Systeme an und ermöglichen eine integrierte Aufgabenbearbeitung selbst von Organisationseinheiten, die zwar räumlich getrennt sind, aber über interne Netze an einen zentralen Server angeschlossen sind.
Neben einzelnen Abteilungen wäre es aber auch möglich, dass z.B. mehrere freie Träger eine gemeinsame Datenbank nutzen, die über das Internet angesteuert werden kann und passwortgeschützt zu benutzen ist. Hier könnten dann z.B. fachliche wie betrieswirtschaftliche Benchmarks abgelegt werden, die die Einrichtungen in ihrer Arbeit unterstützen. Zudem wäre es möglich zentralisiert die Buchhaltung oder personalwirtschaftliche Vorgänge in einem integrierten System zentral erledigen zu lassen. Zudem könnten zentrale Wissensmangementsysteme aufgebaut werden, die eine Bereitstellung von Informationen einerseits und die Analyse vorhandener Datenbestände andererseits ermöglichen.
Theoretisch wäre es sogar denkbar, dass freie und öffentliche Träger gemeinsam eine Datenbank nutzen, so dass es letztlich keine Rolle mehr spielt, wer denn etwa die Stammdaten für einen hilfesuchenden Jugendlichen erfasst. Wird dies beim freien Träger erledigt, müsste dieser die erhobenen Daten dann an die zentrale Datenbank senden, so dass diese konsolidiert werden kann. Über ein System von Zugriffsrechten würden diese dann dem zuständigen Sachbearbeiter im Jugendamt, dem zuständigen Mitarbeiter des ASD etc soweit zugänglich gemacht, wie es die Fallbearbeitung erfordert und datenschutzrechtliche Bestimmungen dies ermöglichen. Die Datenbank ermittelt dann automatisiert mögliche und notwendige Termine für Hilfeplankonferenzen etc. Bei Beendigung der Hilfen wird dies per Mausklick dem Jugendamt übermittelt, dass dann Zahlungsvorgänge in Gang setzt und dabei auf die für die Rechnungsstellung relevanten Daten der Falldokumentation der Einrichtung (Dauer der Maßnahme etc.) zurückgreifen kann. Die Grenzen werden hier vermutlich weniger durch die technischen Möglichkeiten als durch die Befürchtungen vor zuviel wechselseitiger Transparenz gesteckt.
3.2 Intensivere Nutzung von interaktiven Systemen an der Schnittstelle "professionelle Akteure - Nutzer/Klient"
Eine zweite Entwicklungslinie betrifft die Schnittstelle Professionelle Akteure - Klienten/Nutzer/Zielgruppe. Entlang dieser Schnittstelle sind folgende Entwicklungen möglich:
- In Zukunft wird das Internet als Medium für zielgruppenspezifische Informationsangebote an noch Bedeutung gewinnen. Die derzeit am Markt befindlichen Informationssysteme für Jugendliche kommen mehr und mehr über den "read only"-Modus hinaus und verlieren damit ihren Status als Schwarzes Brett. Immer häufiger werden Suchmaschinen und thematische Bibliotheken in die Systeme integriert, so dass Jugendliche sich rasch und gezielt informieren können. Die klassische Jugendinformation mit ihren Flyer-Ständen wird digitalisiert und ist im Netz jederzeit abrufbar. Umgekehrt haben auch die Einrichtungen ein vitales Interesse an der Präsentation ihrer Einrichtung im Netz: zum einen ist auf diese Weise systematisches Marketing möglich und zum zweiten können so das Leistungsspektrum sowie die Leistungsbilanz dokumentiert werden.
Untersuchungsbedarf gibt es in diesem Zusammenhang wohl vor allem noch im Hinblick auf die Frage, mit welchen Inhalten und in welcher Form (Layout, Design) man verschiedene Gruppen von Jugendlichen am besten erreicht. Im kommerziellen Bereich ist man hier bereits relativ weit; ob diese Ergebnisse aber einfach übertragen werden können ist unklar. Zudem stellt sich hier die Frage, ob bestimmte Zielgruppen überhaupt erreicht werden können. Nicht nur dass manche Jugendliche nur einen sehr eingeschränkten Zugang zu PC's haben, gerade die Forschung zur Akzeptanz von Informationssystemen in der öffentlichen Verwaltung hat gezeigt, dass bestimmte Nutzergruppen mit komplexen schriftlichen Informationen nicht oder nur bedingt umgehen können. Von diesen werden vielmehr mündliche Informationen von Mitarbeitern präferiert, die für sie die Komplexität vorhandener Informationsbestände reduzieren und auf ihre Bedarfe hin bearbeiten.
- Neben Informationsangeboten werden in Zukunft auch Kommunikationsangebote an Bedeutung gewinnen. Zu diesen Kommunikationsangeboten zählen unter anderem
- Themen-, zielgruppenspezifische Chat-Rooms
- Online-Beratung
- Video-Konferenzen
Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang vor allem die Online-Beratung, die eine völlig neue Angebotsform etablieren könnte. Die Vorteile dieses Angebots liegen auf der Hand:
- Aufgrund des anonymen Zugangs handelt es sich um ein niederschwelliges Angebot.
- Es gibt keine "Öffnungszeiten", das Angebot kann im Internet jederzeit in Anspruch genommen werden
- Das Angebot ist ortsunabhängig und kann zentral organisiert werden.
Noch zu klären ist demgegenüber, ob über die Kommunikation im Internet eine echte Beratungssituation hergestellt werden kann. Schließlich ist die Interaktion hier eindimensional angelegt und auf die schriftliche Kommunikation beschränkt. Im übrigen müsste geklärt werden, wie die entsprechenden Zielgruppen überhaupt erreicht werden können, d.h. es stellen sich Fragen des Marketings.
- Eine weitere Entwicklungslinie edv-gestützter Softwarelösungen, betrifft die Partizipationsmöglichkeiten von Jugendlichen im Rahmen von Planungs- und Entscheidungsprozessen. Hier bietet das Internet die Chancen, Jugendliche z.B. an Abstimmungen zu beteiligen, Befragungen zu jugendpolitischen Themen über das Internet durchzuführen oder spezielle Chat-Rooms zu Planungs- und Entscheidungsverfahren einzurichten, in denen Jugendliche mit Experten diskutieren bzw. ihre Meinung äußern können. Jugendliche könnte auf diese Weise in einem stärkeren Ausmaß als bisher unmittelbar in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden.
- Daran anknüpfend wäre es zudem möglich, seitens der öffentlichen Verwaltung mit Jugendlichen zusammen im Internet einzelne Projekte zu gestalten und zu entwickeln. So könnten Pläne für ein neues Jugendzentrum ins Internet gestellt werden, zu denen die Jugendlichen nicht nur ihre Meinung äußern können, sondern die sie auch noch inhaltlich wie baulich gestalten und verändern können. Derartige Projekte wären selbstverständlich auch im Schulbereich möglich, so dass Schüler ihre Projekte gemeinsam im lokalen Netz der Schule entwickeln und gleichzeitig auch anderen Schülern vorstellen können, die dann wiederum - ganz im Stile eines "open-Source-Konzepts" - mit eigenen Ideen zur Weiterentwicklung beitragen könnten.
- Für Jugendliche könnten zudem Lernsoftware-Angebote, die über das Internet angeboten werden und speziell auf bestimmte Zielgruppen, Fächer und Lernprobleme abgestimmt sind interessant sein. Die aktuell verfügbaren Lösungen sind zwar nach Klassenstufen differenziert, sind aber im Hinblick auf die didaktische Aufbereitung und Führung sowie im Hinblick auf den speziellen "Nachhilfe-Charakter" teilweise noch nicht optimiert.
3.3 Komplexe "virtuelle" Einrichtungen
Am weitesten gehen wohl Überlegungen, neben physisch erfahr- und begehbare Einrichtungen für Jugendliche durch komplexe "virtuelle" Einrichtungen zu ergänzen. Im Mittelpunkt solcher Einrichtungen steht z.B. ein virtuelles Jugendzentrum, das neben verschiedenen Freizeitangeboten auch verschiedene Beratungs-, Gesprächs- Vermittlungs- und Informationsangebote vorhält. Wie könnte ein solches virtuelles Jugendzentrum funktionieren?

Der Jugendliche steuert von seinem PC in der Schule eine bestimmte Adresse im Internet an und kann dort durch die virtuellen Räume des Jugendzentrums gehen. Zuvor muss er sich nur anmelden und übernimmt dann die Identität eines virtuellen Besuchers (Atavar), d.h. er schlüpft in die Rolle eines virtuellen Besuchers, den er durch die virtuellen Räume schickt und der für Ihn alle Aktionen durchführt. Durch einen Mausklick auf das am Bildschirm sichtbare Schwarze Brett, kann sich der Jugendliche über alle aktuellen Aktivitäten sowie die Angebote der nächsten zwei Wochen informieren. Da er aber gerade Schwierigkeiten mit den Eltern hat, klickt er sich in den Stundenplan für die Sprechstunde beim zuständigen Berater an und trägt sich für den Nachmittag ein. Er erhält eine Bestätigung des Termins als e-mail und der Sozialpädagoge erhält ebenfalls eine Nachricht über den neuen Termin.
Da der Jugendliche noch etwas Zeit hat bis zum Beratungsgespräch, recherchiert er in den Informationsdatenbanken des Jugendzentrums nach Materialien für sein Deutschreferat über die deutsche Lyrik um 1848 (Vormärz). Da immer noch Zeit ist, fährt er von der Schule mit dem Rad nach Hause, wählt sich erneut ins Internet ein, steuert die Homepage des Jugendzentrum an und begibt sich durch einen Mausklick mit seinem Atavar in die Sprechstunde des Sozialpädagogen. Nachdem beide zugestimmt haben, die Anonymität zu lüften, können sie sich über die webcam´s auch sehen. Im Anschluss an das Gespräch logged sich der Jugendliche aus, während der Sozialpädagoge noch einmal seine aktuellen Termine prüft, seine e-mails abruft und die Tagesordnung für die wöchentliche Videokonferenz der Kollegen aus ähnlichen Einrichtungen. Zudem ergänzt er die zentral organisierte Dokumentationsdatei um die Einträge der Nachmittagssitzungen, schickt noch einige Daten zur Kostenabrechnung an des Jugendamt und geht dann vom Arbeitszimmer seiner Wohnung in die Küche, um sich einen Vitamindrink zu mixen; Bier geht heute nicht weil er Bereitschaft hat. Deshalb liegt auch der Laptop auf dem Kühlschrank, der über eine Funkschnittstelle eine Verbindung ins Internet aufgebaut hat. So kann er jederzeit sehen, ob Anfragen von Jugendlichen, die sich in Notsituationen befinden im Jugendzentrum eingehen.

4. Zusammenfassung
Die hier angestellten Überlegungen gehen vielleicht z.T. noch etwas weit, sind aber vielfach zumindest in Ansätzen schon angelegt. Bei den skizzierten Perspektiven edv-gestützter Systeme in der Jugendhilfe handelt sich also nicht um science fiction, sondern vielmehr um realistische Entwicklungspfade, wie man Sie im Rahmen eines Delphi-Verfahrens wohl anstellen würde. Für die Zukunft lassen sich also folgende Perspektiven denken:
- Integration/Vernetzung von fachlichen Aufgaben, Daten, Trägern
- Intensivere Nutzung von interaktiven Systemen an der Schnittstelle professionelle Akteure - Nutzer/Klient
- Komplexe "virtuelle" Einrichtungen
Bei allen drei Perspektiven spielt das Internet die zentrale Rolle als Medium, über das sich alle Isolierten edv-Lösungen integrieren lassen.
Im übrigen werden über die aufgezeigten Entwicklungspfade Chancen und Risiken der neuen Technik sichtbar:
- Zu den Chancen zählen sicher der vergleichsweise einfache Zugang zum Internet, das Klienten/Nutzern/Zielgruppen einen niederschwelligen Zugang ermöglicht (Anonymität). Zudem bildet das Internet eine Plattform zur Erprobung eigener Kreativität, es ist eine neue Kommunikationsplattform die zahlreiche Informationsmöglichkeiten und sogar Partizipationsmöglichkeiten bietet. Das Internet ermöglicht zudem zeit- und ortsunabhängige Kommunikation von Jugendlichen untereinander und/oder mit professionellen Akteuren, die jederzeit erreichbar sind.
- Die Risken liegen zum einen im Bereich Jugendschutz, wo sichergestellt sein muss, dass Angebote für Jugendliche keine jugendgefährdenden Inhalte bergen und auch die Links von diesen Angeboten, nicht auf jugendgefährdende Sites verweisen. Zu prüfen ist zudem, welche Zielgruppen über das Internet erreicht werden können und auf welche Form dies geschehen muss. Darüber hinaus birgt die Informationsfülle des Internet die Gefahr des Information overload. Die Vielfalt der Informationen kann nicht mehr sinnvoll verarbeitet werden, wenn nicht schon klare Kriterien zur Verarbeitung der erhaltenen Information beim Nutzer existieren. Information wird im übrigen dann als nützlich empfunden, wenn die Informationskosten gering sind, wenn also Komplexität für den Informationsempfänger reduziert wird.
Klar ist vermutlich, dass es eine Jugendhilfe ohne edv-gestützte Systeme und Internet nicht mehr geben wird; umgekehrt wird aber auch die Jugendhilfe in absehbarer Zeit kein nirwana digitalis werden.

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